Info-Telefon: 089-411149-200

Die Lust aufs Lesenlernen ist ein Schlüsselmoment

Veröffentlicht von Louis Eckerl am

Neue Legasthenie- und Dyskalkulie-Therapieräume in Vilshofen

Der Arbeitskreis Legasthenie Bayern e. V. (AKL) bietet seit gut 45 Jahren Therapien für Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie an. Derzeit betreuen etwa 70 speziell geschulte Therapeutinnen und Therapeuten an verschiedenen Standorten in Bayern
rund 500 Kinder.


Die Diplom-Psychologin Marta Terron ist bereits seit neun Jahren für den AKL in Passau, Vilshofen und Osterhofen tätig. Bislang hat die Therapeutin in der Schule mit den Kindern gearbeitet. Nun hat Terron die Möglichkeit bekommen, einen Raum in einer Kinderarztpraxis in Vilshofen zu nutzen. „Im Zuge der Corona-Krise ist es schwieriger geworden, Therapiestunden in der Schule anzubieten. Mit den eigenen Praxisräumen sind wir natürlich viel flexibler“, freut sich die Psychologin.


Marta Terron betreut derzeit sechs Kinder im Alter von neun bis 14 Jahren mit einer Lese- und Rechtschreibstörung oder Rechenstörung in der Therapie. Eins der Kinder hat eine Kombination aus Legasthenie und Dyskalkulie. Dabei ist das „gar nicht so selten, dass Kinder beide Störungen haben“, weiß die Psychologin. In der Regel sind die Kinder etwa zwei Jahre in Behandlung, je nachdem, wie stark die Störung ausgeprägt ist.


Schätzungen zufolge sind zwischen fünf und 15 Prozent aller Schulkinder von Legasthenie oder Dyskalkulie betroffen. Obwohl die Kinder unauffällige Intelligenzwerte haben, fällt ihnen das Lesen- und Schreiben- oder Rechnen lernen schwer. Oft kommt auch noch eine Konzentrationsstörung hinzu oder es liegt eine Kombination aus Lese- und Rechtschreibstörung und Rechenstörung vor.


Legasthenie und Dyskalkulie sind gut therapierbar, sodass die Kinder gut damit umgehen können, meint Terron. Die meisten Kinder erzielen nach erfolgreicher Therapie durchschnittliche Ergebnisse bei Leistungstests; man sieht keinen Unterschied zu den Mitschüler*innen. „Das Gefühl aber bleibt, dass das Lesen und Schreiben oder Rechnen ihre Schwachstelle ist“, meint Terron.


Ein großes Problem sieht die Therapeutin darin, „dass Kinder sich immer mit anderen vergleichen, und wenn sie dann anfangen, an sich zu zweifeln, ist es fast schon zu spät. Spätestens dann muss man handeln“, ist Terron überzeugt.


Daher plädiert sie dafür, möglichst früh mit der Förderung zu beginnen. „Wenn man es schafft, schon in der 1. Klasse die Schritte aufzuholen, dann hat man vielleicht Probleme verhindert, die sonst in der 3., 4. oder 5. Klasse aufgekommen wären.“ Sie berichtet als Beispiel von einem Kind, das in der 1. Klasse mit der Förderung begonnen hatte. Am Ende der 2. Klasse absolvierte das Kind einen Test, der bestätigt hat: Es gibt keine Anzeichen mehr für eine Lesestörung.


Zu Beginn der Therapie schaut die Psychologin, wo die Stärken des Kindes liegen: Welche Fähigkeiten bringt das Kind mit, was ist an Stärken vorhanden, was kann man fördern? Daraus wird ein individueller Therapieplan entwickelt, der nicht nur gezielte Übungen beinhaltet, sondern auch spielerische Elemente, um das Kind zu fördern. „Für die Kinder bedeutet die Therapie keine zusätzliche Arbeit, sie kommen
gerne zur Therapie“, weiß Terron. „Wichtig ist, dass die Kinder Lust entwickeln, Lesen zu lernen. Das ist ein Schlüsselmoment!“


Eltern, die Bedenken haben, ob ihr Kind unter Legasthenie oder Dyskalkulie leidet, rät Terron, die Probleme ernstzunehmen und sich frühzeitig mit den Lehrkräften auszutauschen. Ob tatsächlich eine Legasthenie oder eine Dyskalkulie vorliegt, diagnostizieren schließlich Ärzte.


Weitere Informationen und eine kostenfreie Beratung gibt es in der Geschäftsstelle des AKL unter der Telefonnummer 089 41 11 49-200 oder im Internet unter www.aklbayern. de.

jh

Kategorien: Allgemein

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