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Dyskalkulie

Trotz normaler bis hoher Intelligenz und einem extremen Lernaufwand bringen Kinder, die von einer Dyskalkulie (Rechenstörung) betroffen sind, häufig schlechte Noten im mathematischen Bereich nach Hause.

Dyskalkulie ist eine international anerkannte Teilleistungsstörung. Das bedeutet: In einem deutlich abgrenzbaren Bereich – also beim Umgang mit Zahlen – bestehen massive Defizite.

Deutlich wird der Begriff „Teilleistungsstörung”, wenn man sich vor Augen führt, dass Kinder mit Dyskalkulie häufig in anderen Gebieten besondere Begabungen entwickeln – zum Beispiel im musischen, sportlichen, technischen, handwerklichen oder sprachlichen Bereich. Sie können jedoch nur unterdurchschnittliche Leistungen (gemessen an ihrem Alter, der Intelligenz und Schulbildung) in allen Bereichen, die mit Mathematik zu tun haben, vorweisen.

Die Teilleistungsstörung Dyskalkulie erfährt bis heute keine ausreichende Beachtung. Oftmals bleibt sie unerkannt und damit auch untherapiert. Zusätzlich kann es bei einer Dyskalkulie zu Folgeproblemen kommen, die aus den ständigen Misserfolgen in der Schule und bei der Erledigung der Hausaufgaben  resultieren.

Deshalb ist es besonders wichtig, Betroffene durch eine professionelle Dyskalkulietherapie zu unterstützen und lern-/psychotherapeutisch zu begleiten.

Häufigkeit von Dyskalkulie

Von einer Dyskalkulie sind ca. 4-6% aller Kinder betroffen. Bei einer Klasse mit 30 Kindern leiden also im Durchschnitt ein bis zwei der Kinder darunter. Die Teilleistungsstörung tritt tendenziell etwas häufiger bei Mädchen auf.

Wenn eine Teilleistungsstörung bereits bei anderen, nahen Verwandten aufgetreten ist, besteht für ein Kind ein erhöhtes Risiko ebenfalls von Dyskalkulie betroffen zu sein.
Dyskalkulie tritt in allen sozialen Schichten auf – ist also unabhängig von den äußeren Einflüssen.

Ursachen von Dyskalkulie

Mathematik ist ein sehr vielschichtiger Bereich. Zahlreiche Fertigkeiten, wie die Vorstellung von Mengen, Zahlen, Räumen, das Gedächtnis und die Sprache sind daran beteiligt und werden für den Umgang mit Zahlen benötigt.

Wissenschaftlich erwiesen ist, dass es bei Kindern, die von Dyskalkulie betroffen sind, innerhalb dieser Bereiche zu einer Störung im Zusammenspiel kommt. Bei jedem Kind spielen mehrere Faktoren zusammen, die sich zu einer ganz individuellen Problematik entwickeln. Eine eindeutige Ursache konnte bis dato nicht identifiziert werden.

Kinder mit Dyskalkulie haben beispielsweise keine Vorstellung von Mengen, vertauschen Ziffernfolgen (53 wird zu 35) und benötigen – z.B. beim Zehnerübergang – die Finger zum Abzählen.

Oftmals zeigen Kinder, die unter einer Rechenstörung leiden, schon im Kindergartenalter erste Symptome: Sie malen ungern, spielen nicht oder wenig mit Legosteinen oder Puzzles und haben früh Schwierigkeiten mit der räumlichen Orientierung (siehe „Hinweise auf Dyskalkulie”).

Dyskalkulie ist in den meisten Fällen auf angeborene, organische Faktoren zurückzuführen. Sie kann also nicht aufgrund äußerer Umstände entstehen.

Hinweise auf Dyskalkulie

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind beim Umgang mit Zahlen und/oder Mengen oder dem räumlichen Vorstellungsvermögen große Schwierigkeiten hat, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Ihren Verdacht sollten Sie in jedem Fall durch einen Besuch beim Facharzt abklären lassen. Nur er kann sicher sagen, ob Ihr Kind von einer Rechenstörung betroffen ist.

Die nun folgenden Hinweise deuten auf eine Dyskalkulie hin. Da eine Rechenstörung jedoch immer individuelle Ausprägungen hat, treten nicht alle Symptome in der gleichen Intensität bei allen Kinder auf:

  • Schwierigkeiten mit dem Verständnis und der Vorstellung von Mengen.
  • Das Kind benötigt lange Zeit Anschauungsmaterial, an dem es Rechenvorgänge abzählt (auch z.B. Abzählen mit den Fingern, oft auch verdeckt oder sehr unauffällig durch ganz leichte Bewegung der Finger).
  • Häufiges Vertauschen von Ziffern (aus 32 wird 23).
  • Schwierigkeiten mit den Zahlenräumen (fehlerhaftes vorwärts und rückwärts zählen, Verständnisschwierigkeiten beim Zahlenstrahl).
  • Große Probleme mit der Logik beim Umgang mit Einern, Zehnern, Hundertern und Tausendern.
  • Rechenfehler (z.B. 3+2=4).
  • Große Schwierigkeiten mit den Rechenoperationen +, -, x, : (Verständnis für die Operation fehlt).
  • Der Textinhalt von Sachaufgaben kann mathematisch nicht umgewandelt werden.
  • Schätzen und Überschlagen von Mengen gelingt nicht (falsche, vorgegebene Lösungen werden nicht erkannt).
  • Das Einmaleins kann nur mit großer Mühe und durch unendlich viele Wiederholungen erlernt werden.
  • Verständnisschwierigkeiten mit der Uhr, mit Maßen und Gewichten.
  • Schwierigkeiten mit geometrischen Figuren und räumlichen Gebilden.
  • Für das Rechnen wird unverhältnismäßig viel Zeit benötigt.

Folgeprobleme von Dyskalkulie

Kinder mit Dyskalkulie, werden oft jahrelang von (schulischen) Misserfolgen begleitet– ohne dass die wahre Ursache erkannt wird.

Die häufigsten Sekundärprobleme im Überblick:

Emotionale Probleme:

  • Selbstwertverlust
  • Versagensgefühle
  • Selbstvorwürfe
  • Ängste, vor allem Schul- und Prüfungsängste
  • Traurigkeit, depressive Verstimmung

Körperliche Probleme:

  • psychosomatische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen
  • plötzliches wieder Einnässen

Schulische Probleme:

  • Konzentrationsstörungen
  • Hyper- oder Hypoaktivität
  • Motivationsverlust
  • generelles Leistungsversagen
  • Hausaufgabenkonflikte

Soziale Probleme:

  • Kontaktschwierigkeiten, sozialer Rückzug
  • Aggressivität
  • Einsamkeit
  • Prahlen, Clownereien