Finanzielle Eingliederungshilfe für junge volljährige Legastheniker und Dyskalkuliker

Im Sinne des Gesetzes (§ 7, Abs. 1 Nr. 3) gilt als „junger Volljähriger“ derjenige, der 18 aber noch nicht 27 Jahre alt ist.

 
Anspruchsvoraussetzung für diese Hilfe ist das Abweichen von dem für das Lebensalter typischen seelischen Gesundheitszustand. Er muß mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als  sechs Monate andauern. Zusätzlich muß eine sozialpädagogisch  festgestellte Beeinträchtigung am Leben in der Gesellschaft amtlicherseits festgestellt sein.

 
Das Abweichen von der altersgemäßen seelischen Gesundheit gilt als „seelische Behinderung“. Wird von einem Kinder-/Jugendpsychiater eine Legasthenie (= Lese- Rechtschreibstörung) oder eine Dyskalkulie (= Rechenstörung) bescheinigt, so gilt diese Teilleistungsstörung als seelische Behinderung. Die Folge ist meist eine Störung der sozialen Entwicklung sowie der gesellschaftlichen Eingliederung. Ein praktisches Beispiel: ein junger Mensch hat wegen seiner Legasthenie nur einen niederen Schulabschluß erreicht. Sein Selbstwertgefühl liegt am Boden. Am Arbeitsplatz bewährt er sich fachlich, aber er ist teamunfähig und kann nicht weiterkommen. Er bleibt der ungelernte Außenseiter. Dies alles, obwohl die Diagnose Legasthenie ihm mindestens durchschnittliche, wenn nicht hohe Allgemeinintelligenz bestätigt! Um seine Fähigkeiten voll entfalten und am Leben in der Gesellschaft voll teilhaben zu können, braucht er gezielte Hilfe, nämlich eine auf ihn zugeschnittene Einzelbehandlung mit kombinierten Methoden der Lern- und Psychotherapie (bekannt als Legasthenie- oder Dyskalkulie-Therapie).

 
Gewährt wird diese Hilfe vom Jugendamt unter dem Motto eines begründeten „Entwicklungsoptimismus“. Das bedeutet, Eingliederungshilfe wird gewährt für seelisch behinderte Jugendliche, wenn und so lange sie geeignet ist, die Persönlichkeitsentwicklung und eine eigenverantwortliche Lebensführung zu fördern. Die Hilfe soll ihm so lange gewährt werden, wie sie aufgrund seiner persönlichen Situation notwendig ist. Im Regelfalle wird sie nur bis zum 21. Lebensjahr bewilligt, aber in begründeten Fällen wird sie als eine Art „Nachbetreuung“ bis zum Ende des 27. Lebensjahres gewährt.

 
Weitere Anspruchskriterien, wie etwa die, der antragstellende junge Volljährige müßte sich noch in Ausbildung befinden, sieht das Gesetz nicht vor.