Anmerkungen für Lehrer

Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie brauchen viel Verständnis. Sie müssen mit unzähligen Misserfolgen und Rückschlägen zurecht kommen.

Besonders positiv für Kinder mit Teilleistungsstörungen ist, wenn deren Lehrer sich mit dem „Störungsbild” („Hinweise auf Legasthenie”, „Hinweise auf Dyskalkulie”) gut auskennen und mit den Bestimmungen des Kultusministeriums bezüglich des Nachteilsausgleichs vertraut sind. Denn der Nachteilsausgleich bedeutet meist eine spürbare Entlastung und sollte zum Wohle des legasthenen Kindes entsprechend praktiziert werden. Einen Nachteilsausgleich für Kinder, die unter Dyskalkulie leiden, gibt es leider zur Zeit noch nicht.

 

·        In Klassen mit nur einer Lehrkraft und bis zu 30 Kindern, die heute oft recht unruhig sind oder verschiedene Muttersprachen mitbringen, kann „Binnendifferenzierung“ nicht ausreichen, um Kinder mit Defiziten einzeln oder in Kleingruppen längerfristig zu betreuen.

·        Nicht zuletzt fehlt meist das Spezialwissen, das bisher weder in der Ausbildung noch in der Fortbildung für Lehrer ausreichend vermittelt wurde. Angesichts der großen Anzahl legasthenischer Kinder sollten Lehrer und ihre Berufsverbände bei Kultusministerien, Staatsinstituten und Lehrerakademien entsprechende Angebote deutlicher einfordern.

·        Eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe im Hinblick auf Legasthenie haben die Klassenlehrer(innen) der zweiten Grundschulklassen. Kinder, die jetzt noch nicht lesen können und vielleicht andere Entwicklungsrückstände im Bereich der Sprache oder der Feinmotorik zeigen, müssen jetzt einer Diagnostik zugeführt und den Ergebnissen entsprechend gezielt betreut werden. Jetzt sind der Lesestoff und die Zahl der zu verschriftenden Wörter noch überschaubar und alle Schüler sind noch Anfänger; da ist die Kluft zwischen den üblichen und den speziellen Übungen nicht so offensichtlich; der Abstand zwischen den Leistungen der Kinder mit oder ohne Lernstörung fällt zu wenig auf, um von den Kindern jetzt schon als blamabel empfunden zu werden. Die Gefahr der Sekundärsymptomatik ist noch sehr gering. 

·        Die wichtigste Rolle der Grundschullehrer besteht in der persönlichen Zuwendung zu den „Problemkindern“ und zu ihren Eltern. Letztere dürfen sich nicht „abgewimmelt“ fühlen, wenn sie, verunsichert, den Lehrkräften Fragen stellen. Beschwichtigungen helfen auf die Dauer nicht, auch nicht die Aufforderung, mehr zu üben zu Hause. Geübt wird oft bis zum Überdruss. Das bringt nichts, außer Schulunlust. Auch das Bloßstellen des Kindes vor der Klasse, das an die Tafel stellen, das laut Vorlesenlassen oder das Herzeigen seiner vielen rot markierten Fehler weckt nicht, wie erhofft Ehrgeiz, sondern Rückzug oder Abwehr. Der Verlust seines Selbstwertgefühls allein ist schädlich genug. Es braucht Hilfe, sollen später hinzukommende psychosoziale Integrationsprobleme vermieden werden.

·        Sorgfältiges Beobachten der Schüler sowie das Erkennen ihrer individuellen Schwächen und Stärken bilden eine entscheidende Grundlage für innerschulische Hilfen, aber auch für Therapien, die häufig über schulische Fördermaßnahmen hinaus notwendig werden. Gute  Kontakte der Klassenlehrer zu Schulpsychologen, Jugendämtern oder außerschulischen Diagnose- und Therapieeinrichtungen sind höchst hilfreich. Lehrer können durch ihre persönliche Kenntnis des Kindes und durch ihre Berichte an zuständige Stellen wesentlich dazu beitragen, Umwege und Verzögerungen zu vermeiden, wenn es gilt, Legastheniker gezielten außerschulischen Maßnahmen zuzuführen und dafür öffentliche Mittel zu erhalten.

·        Unter den Kindern mit Lernstörungen dürften Legastheniker rein statistisch am häufigsten vorkommen. Dyskalkulie (Rechenstörung) wird erst jetzt auf breiterer Ebene bekannt und nur in Einzelfällen als seelische Behinderung anerkannt. Leider fehlen bis heute für rechengestörte Kinder solche gesetzlichen Vorschriften wie sie für Legastheniker längst eingeführt und unter dem Titel Nachteilsausgleich (NTA) bekannt sind.

·        Nicht wenige Eltern klagen, dass die für Legastheniker erlassenen schulgesetzlichen Regeln für Notenschutz, Zeitverlängerung, Vorlesen von Prüfungsaufgaben oder Übertritte in weiterführende Schulen  nicht überall in voll angewendet werden. Hier nachzubessern wäre eine gute Gelegenheit für Schulen, ohne zusätzlichen Zeitaufwand das Schicksal der Betroffenen zu erleichtern.

·        Auf einem Gebiet der Hilfe können sich Lehrer und Therapeuten nahtlos treffen, nämlich bei der (heil-)pädagogisch fundierten und in der Praxis bewährten Methode der Ermutigung. Das legasthenische Kind, dem die Lernstörung in die Wiege gelegt wurde und das ohne eigene Schuld daran leidet, im Vergleich zu anderen Kindern mehr arbeitet, aber weniger erreicht, noch dazu oft lächerlich gemacht, geschimpft oder bestraft wird, braucht die Ermutigung so zwingend wie der Fisch das Wasser braucht, um schwimmen zu können.

Ermutigungshilfen, ob im Schulunterricht oder in der Legasthenietherapie, müssen das ganze Kind erfassen, nicht etwa nur seine Fehlersymptomatik. Wie in der tiefenpsychologischen Therapie, so kommt es auch hier zunächst darauf an, eine emotionale Beziehung aufzubauen. Das erfordert Zeit, Geduld und Geschick.

           Der Erwachsene muss selbst an den Erfolg glauben, damit seine                          Zuversicht sich auf das Kind übertragen kann. Erst allmählich wird es                  sich vom Behandelnden angenommen, gestützt und wertgeschätzt                       fühlen trotz seines Versagens. Nur der Abbau der                                               Selbstverunsicherung macht den Wiederaufbau des                                         Selbstwertgefühls möglich.

       

Gerne können sich Lehrer und Erzieher mit Fragen an unsere Geschäftstelle wenden. Hier erhalten sie weitere Tipps und individuelle Beratung zum Umgang mit Legasthenie und Dyskalkulie.
Telefonisch erreichen Sie uns unter: 089-411149200
oder gerne auch via E-Mail unter: info(at)akl-bayern.de