Kluge Kinder, schlechte Noten? Jetzt testen

„Aktion Gratis-Test“: Arbeitskreis Legasthenie Bayern e.V. verschenkt 50 Rechen- und Rechtschreibtests an Schüler


„Mein Kind liest und schreibt so schlecht. Hat es Legasthenie?“ – ,,Mein Kind kämpft mit Mathe. Ist eine Dyskalkulie schuld daran?“ Eltern, die das herausfinden möchten, können ihr Kind beim Arbeitskreis Legasthenie Bayern e.V. (AKL-Bayern) testen lassen. Zum Start des neuen Schulhalbjahres lädt der AKL-Bayern 50 Schüler zu Rechentests oder Rechtschreibtests ein. Gratistests sind möglich an folgenden Standorten: Aschaffenburg, Bayreuth, Fürstenfeldbruck, München, Nürnberg, Regensburg, Passau und Weiden.

Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung) und Dyskalkulie (Rechenstörung) betreffen jeweils etwa sechs Prozent aller Schüler und treten bei normaler bis überdurchschnittlicher Intelligenz auf. Wissen Eltern und Lehrer Bescheid, und werden die Kinder richtig gefördert, können sie beachtlichen Erfolg in Schule und Beruf haben. Weitere Informationen und Anmeldung mit Verweis auf die „Aktion Gratis-Test“ bei der Geschäftsstelle des AKL-Bayern, Tel. 089-411149200, E-Mail info(at)akl-bayern.de
Die ersten 50 Interessenten gewinnen. Weitere Informationen zu Legasthenie, Dyskalkulie und zum Arbeitskreis: www.akl-bayern.de, www.legasthenie-blog.de.

Gelassen bleiben trotz schlechter Noten

PISA-Studie, Wirtschaftskrise, neue Lehrpläne, G8: Die Gründe, warum Schüler und Eltern den Druck auf ihren Schultern als immer größer empfinden, sind vielfältig. Trotzdem lohnt es sich, gelassen zu bleiben, weiß das Team des Arbeitskreis Legasthenie Bayern e. V. und der Lern-König.

„Eine Fünf in Mathe! Wie konnte das nur passieren?“ – „Schon wieder eine Vier in Deutsch, wo wir doch so geübt haben!“ Bei der ersten Enttäuschung fällt es manchmal schwer, die Ruhe zu bewahren – Eltern genauso wie Kindern. Denn Patentrezepte, wie Vieren, Fünfen und Sechsen aus dem Zeugnis verschwinden, gibt es zwar nicht. Doch die  Experten kennen mehrere Schritte zu erfolgreichem Lernen und langfristig auch besseren Zensuren.

Den Blick auf das Positive lenken

Eltern sollten nicht vergessen: Im Vergleich zu anderen schlecht abzuschneiden, belastet jedes Kind. Elterliche Vorwürfe müssen da nicht auch noch sein. Loben Sie deshalb Ihr Kind für die guten Noten im Zeugnis, loben Sie auch kleine Fortschritte in den besonders schwierigen Fächern für Ihr Kind.

„An den Fünfen müssen wir gemeinsam arbeiten – aber jetzt freuen wir uns erst mal, dass dieses Halbjahr geschafft ist“! Dass schlechte Noten nicht bestraft werden sollten, versteht sich von selbst.


Ursachenforschung zuhause

Schlechte Noten haben ganz vielfältige Ursachen – einige lassen sich gezielt ausschalten. Am Einfachsten geht dies zuhause. Beobachten Sie Ihr Kind ganz genau: Ist es aufnahmebereit und wach, wenn Hausaufgaben anstehen? Manchen Kindern hilft es schon, zu einer anderen Uhrzeit zu üben. Ist der Arbeitsplatz der Richtige, ist er hell, sauber und ordentlich? Wird das Kind abgelenkt bei den Aufgaben, wenn ja, welche Störfaktoren (z. B. Telefon, Musik nebenher) lassen sich beseitigen?

Beim Vorbereiten auf Proben und Exen ist das Motto „viel hilft viel“ übrigens falsch. Stundenlanges Pauken am Vortag bringt Kindern weniger als regelmäßiges Üben in kleinen Portionen. Manch einem Schüler nützen auch Änderungen im Tagesablauf wie z. B. früheres Ins-Bett-Gehen oder der Verzicht auf Fernsehen unter der Woche.


Ursachenforschung mit Experten

Im Gespräch mit den Lehrern können Eltern nachhaken: Welchen Eindruck haben die Pädagogen vom Kind? Könnte eine Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung) oder Lese-Rechtschreib-Schwäche schuld am holprigen Lesen oder fehlerhaften Schreiben sein? Steckt hinter dem Kampf mit den Zahlen eventuell eine Dyskalkulie (Rechenstörung) oder Rechenschwäche?

Von einer der sogenannten Teilleistungsstörungen Legasthenie und Dyskalkulie sind jeweils ca. 5 Prozent aller Schüler betroffen, noch weitaus mehr Kinder haben die abgeschwächte Form, die Teilleistungsschwäche. Tests, also Rechtschreibtest oder Rechentests, schaffen Klarheit. Diese standardisierten Tests können beim Arbeitskreis Legasthenie Bayern e.V., beim Schulpsychologen (wer zuständig ist, kann an der Schule erfragt werden) oder beim Kinder- und Jugendpsychiater durchgeführt werden. Erhärtet sich der Verdacht, folgen ein IQ-Test, fachärztliche Untersuchungen und gegebenenfalls das Legasthenie- oder Dyskalkuliegutachten.


Umgang mit der Diagnose

Bei Legasthenie müssen, bei Dyskalkulie bzw. Teilleistungsschwächen können Lehrer in Bayern einen Nachteilsausgleich gewähren. Immer mehr Pädagogen zeigen sich sehr hilfsbereit, fördern und entlasten betroffene Kinder, wo sie können.

Kinder können lernen, mit Legasthenie und Dyskalkulie umzugehen, sich in der Welt der Buchstaben und Zahlen zurechtzufinden und allgemein (wieder) gern zu lernen. Vielen hilft eine Legasthenie- bzw. Dyskalkulietherapie, wie sie der Arbeitskreis Legasthenie Bayern e.V. anbietet. Diplom-Psychologen mit Zusatzausbildung bauen das Selbstbewusstsein jedes Kindes auf, entwickeln und trainieren dann die Lese-, Rechtschreib- oder Rechenkompetenz mit wissenschaftlich anerkannten Methoden.

Bei einer Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Rechenschwäche ist eine Lerntherapie wie der Lern-König in München oft die passende Unterstützung. Die Lerntherapie rückt auch anderen Ursachen für schlechte Noten zu Leibe, z.B. Konzentrationsproblemen, Blockaden und Prüfungsängsten. Einzeln oder in kleinen Gruppen bekämpfen die Teilnehmer Blockaden, finden heraus, wie sie sich Inhalte besonders gut merken können und arbeiten dann am Schulstoff. Anders als in der Nachhilfe, die schulische Inhalte einfach wiederholt, bekommt jeder Schüler Wissen, das ihm dauerhaft erhalten bleibt. Jeder findet seine eigene Lernstrategie, die er ein Leben lang und in allen Fächern  nutzen kann.

 

Geduldig bei der Sache bleiben

Bei Legasthenie, Dyskalkulie und Lernstörungen ist es gut und wertvoll, frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen. Was im Berufsleben Unterstützung in Form von Weiterbildungen, Coachings oder Unternehmensberatung, ist bei vielen Schulkindern eben die Legasthenie-, Dyskalkulie- oder allgemeine Lerntherapie.

Ganz allgemein gilt: Wer sein Kind geduldig und liebevoll begleitet, wer ihm zeigt, dass es mehr ist als seine Schulnoten, macht vieles richtig. Und legt damit den Grundstein für gutes Lernen – in Schule, Ausbildung und später im Beruf.

Mehr Informationen zu Legasthenie, Dyskalkulie und ihrer Behandlung sowie Anmeldung zu Rechen- und Rechtschreibtests: Geschäftsstelle des Arbeitskreis Legasthenie Bayern e. V., Tel. 089-411149200, www.akl-bayern.de, www.legasthenie-blog.de, E-Mail: info(at)akl-bayern.de.

Dyskalkulie - was ist das?

„2 + 2 = 3“, rechnet Lorin, 6, immer wieder. Janina, 9, übt das Einmaleins rauf und runter – und schreibt in jeder Probe trotzdem eine 5. Max, 12, versteht nach Jahren voller Nachhilfestunden Textaufgaben immer noch nicht. So unterschiedlich die drei sind, eins haben sie gemeinsam: die Dyskalkulie (Rechenstörung).

Dyskalkulie ist eine Teilleistungsstörung, genau wie Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung). Menschen mit Teilleistungsstörungen sind allgemein normal bis überdurchschnittlich intelligent, begreifen und verarbeiten aber einen Teilbereich des Wissens anders als andere und erreichen somit nicht die Leistung, die ihrem Alter und ihrer Intelligenz angemessen wäre. Während die Legasthenie mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat, steht die Dyskalkulie (Rechenstörung) erst in den letzten zehn Jahren im Fokus der Öffentlichkeit. Immer noch sind viele Eltern und auch Lehrer nicht ausreichend informiert, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Dabei sind Rechenstörungen in etwa genauso häufig wie Lese-Rechtschreib-Störungen: Neue Studien weisen darauf hin, dass 4 bis 6 Prozent aller Schüler darunter leiden. Mädchen sind im Durchschnitt häufiger betroffen als Jungen.


Expertenwissen contra Lehrer-Alltag

Dyskalkulie ist eine anerkannte Entwicklungsstörung, die im Internationalen Klassifikationsschema für psychische Störungen (ICD-10 F81.2) der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen wurde.
Die Experten sind sich einig: Kindern mit Rechenstörung fehlt aus unterschiedlichen, z. T. angeborenen Ursachen das grundlegende Verständnis für Zahlen, Mengen und/oder Größen. Trotz intensiven Lernens und Übens können einfachste Aufgaben nicht gelöst werden oder dauern ewig. Viele Kinder mit Dyskalkulie zählen auch in Klasse drei noch bei jeder Rechnung mit den Fingern nach. Probleme bereiten die Grundrechenarten, Zehnerübergänge, Einmaleins und der Umgang mit Sachaufgaben. Zugleich sind oft alltagspraktische Fähigkeiten wie z.B. das Lesen der Uhr, der Umgang mit Geld, Maßeinheiten und Gewichten betroffen.

Weil sie sich auf unterschiedlichste Weise äußert, wird Dyskalkulie oft spät erkannt. Dabei gehen Rechenprobleme genau wie Lese- und Rechtschreibprobleme mit emotionalen Problemen und Verhaltensstörungen einher, die das Kind in seiner gesamten Entwicklung beeinträchtigen. Rechenschwache Schüler haben häufig ein negatives Selbstbild, Versagens- und Schulangst und psychosomatische Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen. Einige zeigen depressive Symptome oder Verhaltensauffälligkeiten wie Konzentrationsprobleme, aggressives Verhalten, Verweigerungsverhalten und Hyperaktivität. Die Hausaufgabensituation ist meist gekennzeichnet durch Spannungen, Streit und Frustrationen bis hin zu ständigem häuslichen Unfrieden. Was an einem Tag beherrscht wurde, scheint am nächsten bereits vergessen zu sein.

Eltern helfen betroffenen Kindern, wenn sie sie geduldig und liebevoll begleiten, jeden Fortschritt loben und Anschauungsmaterialien, z. B. Würfel, Spielgeld, Klötze etc., einsetzen. Und indem sie in der Schule darauf hinweisen, dass ihr Kind Dyskalkulie hat. Für den Umgang mit Legasthenie gibt es in fast allen Bundesländern schulrechtliche Bestimmungen im Sinne eines Notenschutzes oder eines Nachteilsausgleiches – bei Dyskalkulie liegt es bisher allein im pädagogischen Ermessen der Lehrer, betroffene Kinder zu entlasten. Einen Rechtsanspruch auf einen Nachteilsausgleich haben die Schüler zwar nicht, doch immer mehr Lehrer helfen ihnen, indem sie z. B. einen Teil der Hausaufgaben erlassen, in Proben Zeitzuschläge gewähren oder die Arbeit mit Anschauungsmaterialien, Zahlentafeln etc. gestatten.


Therapie hilft

Eine Dyskalkulie wächst sich nicht aus. Im Gegenteil: Wenn die Grundlagen fehlen, werden die Wissenslücken immer größer und wirken sich auf alle mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer, auf den Alltag der Kinder außerhalb der Schule, später auf ihre Abschlüsse und Berufschancen aus.

Dyskalkulietherapien des Arbeitskreis Legasthenie Bayern e.V. verhindern das. Dabei handelt es sich um individuell auf den Bedarf jedes Kindes abgestimmte Einzeltherapien – kombinierte Psycho- und Lerntherapien– bei besonders ausgebildeten Diplom-Psychologen. Erst bauen sie das Selbstbewusstsein und die Lernfreude jedes Schülers neu auf, dann die Lücken im Schulstoff  Schritt für Schritt und unter Einbeziehung aller Sinne ab. Die Kosten übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen das Jugendamt.

Der erste Schritt zur Diagnose Dyskalkulie ist ein Rechentest, der ab Ende der ersten Klasse aussagekräftig ist und u. a. bei Schulpsychologen und beim Arbeitskreis Legasthenie Bayern e. V. möglich ist. Beim Arbeitskreis weiß man: „Kinder mit Dyskalkulie haben vielfältige Talente und können mit der richtigen Förderung beachtliche Erfolge in Schule, Ausbildung und Beruf erzielen.“

Mehr Informationen zur Dyskalkulie, Legasthenie und ihrer Behandlung sowie Anmeldung zu Rechen- und Rechtschreibtests: Geschäftsstelle des Arbeitskreis Legasthenie Bayern e. V., Tel. 089-411149200, www.akl-bayern.de, www.legasthenie-blog.de, E-Mail: info(at)akl-bayern.de.

 

Pionierin der Legasthenietherapie gestorben

Liselotte Eckerl-Riesch, Gründerin von Arbeitskreis Legasthenie Bayern e. V. und Kinderhaus München, wurde 90


Warum wird eine bescheidene Hausfrau und Mutter zur Unternehmensgründerin? Für Liselotte Eckerl-Riesch begann alles mit einer Notlage: Einer ihrer Söhne kämpfte trotz bestmöglicher Förderung erheblich mit dem Lesen und Schreiben. Das war Anfang der 70-er Jahre – und Legasthenie, also Lese-Rechtschreib-Schwäche, war in Deutschland erst wenigen Wissenschaftlern und Pädagogen ein Begriff. Las ein Grundschüler holprig oder verdrehte beim Schreiben ständig Buchstaben, ernteten die Eltern Kritik: „Üben, üben, üben!“, hieß es oder aber: „Eine hinter die Löffel hat noch keinem geschadet.“

Liselotte Eckerl-Riesch suchte stattdessen nach Ursachen der Probleme – und nach Hilfsmöglichkeiten für ihren Sohn und weitere Betroffene. Sie las, fragte nach, recherchierte – und lernte viel über die Legasthenie, die in den USA seit Mitte des letzten Jahrhunderts intensiv erforscht worden war. Dass ein Teil aller Menschen trotz normaler bis hoher Intelligenz Schriftsprache anders erfasst als andere, dass er in unserem Schulsystem das Lesen und Schreiben darum zögerlich erlernt, leuchtete ihr ein. Liselotte Eckerl-Riesch sammelte Fakten, Infos zu Fördermöglichkeiten und Lernmaterialien und brachte sich ein: In einer Elterninitiative und in der „Aktion Humane Schule e.V.“ in Tutzing.

Ein Rektor, der sich empirisch mit der Legasthenie beschäftigen wollte, unterstützte Liselotte Eckerl-Riesch dabei, eine Gruppe von Schülern mit ähnlichen Problemen zusammenzustellen. Ein Lehrer betreute die Gruppenkinder besonders intensiv, arbeitete mit viel Anschauungsmaterial und allen Sinnen. Bald machten sie sichtbare Fortschritte. Das sprach sich herum. Frau Eckerl-Riesch wurde von anderen Schulen und von Elternvereinigungen darum gebeten, auch bei ihnen solche Gruppen zu bilden.

Bald wurde die Nachfrage so groß, dass Liselotte Eckerl-Riesch und ihre Mitstreiter das Projekt auf solide Füße stellten. Laut Gründungsprotokoll „fanden sich am 07.10.1974 in München Fürstenried (...) sieben Personen ein und gründeten den ,Arbeitskreis Legasthenie München e. V.‘“.


Eine gute Idee zieht weite Kreise

Der Verein bezog engagierte Psychologen und andere Wissenschaftler mit ein, und ein Kernkonzept für die Förderung betroffener Kinder kristallisierte sich heraus, ein Förderungsansatz, der Psychotherapie und Lerntherapie zusammenbrachte. Denn Liselotte Eckerl-Riesch und ihre Mitstreiter hatten erkannt, dass viele Legastheniker nicht nur mit dem Lernstoff, sondern mit psychologischen Folgeproblemen wie Blockaden, Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen zu kämpfen hatten. So entstand eine Therapie, die zunächst das Selbstbewusstsein der Kinder wieder aufbaut, Elternhaus und Schule dabei mit einbezieht und dann mit geeigneten Methoden und Materialien Lese- und Rechtschreibfähigkeiten verbessert.

„Kinder mit Legasthenie lernen anders als nicht betroffene Kinder, aber ebenso gut, wenn  die Lehr- und Lernmethoden ihren besonderen Bedürfnissen angepasst werden“, betonte Liselotte Eckerl-Riesch. Aus dem Arbeitskreis Legasthenie München e. V. wurde der landesweit aktive Arbeitskreis Legasthenie Bayern e. V., dem Lernen in Kleingruppen folgte die Einzeltherapie bei Diplompsychologen. Nachdem bekannt wurde, dass es auch im Bereich der Mathematik eine Teilleistungsstörung gibt – die Dyskalkulie bzw. Rechenstörung –,  erweiterte der Arbeitskreis 1995 sein Angebot um die Dyskalkulietherapie. Die Lerntherapie Lern-König widmet sich seit 2006 u. a. Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechenschwäche, AD(H)S und Lernblockaden.

Parallel dazu baute Liselotte Eckerl-Riesch das Kinderhaus München auf: Denn bald stand fest, dass für Kinder mit hochgradiger Legasthenie eine Therapiestunde pro Woche nicht ausreicht. 1977 entstand das erste Kinderhaus als heilpädagogisch-therapeutische Tagesstätte, als teilstationäre Spezialeinrichtung für Kinder mit schweren Teilleistungsstörungen. Mittlerweile gibt es fünf Kinderhäuser in München, die für Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Entwicklungsstörungen bzw. in Belastungssituationen vielfältige therapeutische und heilpädagogische Hilfen anbieten. Hinzu kommen ambulante Dienste, die sich intensiv um Familien in Krisensituationen und psychosozial belastete Familien mit Kleinkindern kümmern.


Einsatz in Gesellschaft und Politik

Liselotte Eckerl-Riesch gründete zudem 1979 den bayerischen Landesverband im Bundesverband Legasthenie e. V. (heute: Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.), der 1974 in Hannover gegründet worden war. Das Grundkonzept des Bundesverbandes und seiner Landesverbände besteht bis heute in Öffentlichkeitsarbeit, Elternvertretung und schulischen Hilfen für Kinder mit Teilleistungsstörungen.
 
Im Laufe der Jahrzehnte berieten Liselotte Eckerl-Riesch und ihre Mitstreiter u. a. mit bei Gesetzesentwürfen, im Bildungsausschuss des Landtags, im Staatsinstitut für Frühpädagogik, bei Schul- und Jugendämtern und im Landesjugendamt.
Für ihren Einsatz für Kinder und Familien bekam Liselotte Eckerl-Riesch am 26.09.1989 das Bundesverdienstkreuz, und in der Laudatio lobte der Landeskultusminister Hans Zehetmair: “Durch Ihr Engagement, durch Ihren verdienstvollen Einsatz zur Schaffung und Verbesserung der gesetzlichen Grundlagen sowie der praktischen Möglichkeiten zur Förderung legasthenischer Kinder haben Sie sich beispielhafte Verdienste um das Gemeinwohl erworben“.

Zehntausende von Leben hat Liselotte Eckerl-Riesch mit ihrem Einsatz berührt. Am 2. Januar schloss sie 90-jährig für immer ihre Augen. Ihre Angehörigen, die Mitarbeiter des Arbeitskreis Legasthenie Bayern e. V. und des Kinderhaus München sowie viele Weggefährten werden ihre Arbeit fortführen und sich weiter dafür einsetzen, dass Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Dipl.-Psych. Dr. Edith Klasen

Zur Autorin: Zur Autorin: Dr. Edith Klasen aus München forschte schon 1960 in den USA zur Legasthenie, arbeitete von 1974 bis 2011 für den Arbeitskreis Legasthenie Bayern e. V. und war Gründungsmitglied des Landesverbandes für Legasthenie und Dyskalkulie Bayern e. V.. Die Autorin des Fachbuchs „Legasthenie – umschriebene Lese-Rechtschreib-Störung“ erhielt 2009 ebenfalls das Bundesverdienstkreuz.