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Der Lockdown als Chance: Neues Online-Therapieangebot für Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie

Veröffentlicht von akl_admin am

Die Idee der Online-Therapie ist aus der pandemiebedingten Not heraus entstanden: Über viele Wochen durften Therapeut*innen und Kinder keinen persönlichen Kontakt haben. Therapiestunden im klassischen Sinne konnten so nicht stattfinden. Um die Kinder mit Lese-Rechtschreib- und/oder Rechenschwäche in dieser Zeit trotzdem zu fördern und zu unterstützen, haben einige Therapeuten begonnen, ihre Therapiestunden online abzuhalten. Nun wird die Online-Therapie zum festen Bestandteil im Angebot des AKL.

Die Psychologin Celina Melzer unterstützt Kinder, die mit dem Lesen, Schreiben oder Rechnen Schwierigkeiten haben, künftig vor allem über ihr Online-Therapieangebot. Bisher gibt es solche Angebote vor allem im Erwachsenenbereich, weiß Melzer, da im Hinblick auf Kinder oft Vorurteile bzw. Bedenken bestünden, dass Kinder mit dieser Therapie-Form nicht zurecht kämen. Die Psychologin sieht das jedoch anders: „Es wird oft unterschätzt, wie sehr die digitale Welt zum Alltag der Kinder gehört“, ist Melzer überzeugt.

Bedenken von Eltern oder Lehrkräften, die Kinder könnten sich in der Online-Therapie nicht so gut konzentrieren, begegnet Melzer mit dem Argument, dass Konzentrationsprobleme genauso in der Präsenztherapie auftreten: „Konzentrationsprobleme sind Teil unserer Arbeit, unter anderem deshalb sind die Kinder bei uns.“

Der Therapeutin ist vor allem der vertrauensvolle Beziehungsaufbau und die Stärkung des Selbstwertgefühls wichtig, denn dieser „hat großen Einfluss auf andere Bereiche, zum Beispiel die Stimmung und die Leistungsmotivation, also sich selbst etwas zutrauen können“, erklärt Melzer.

Zu Beginn der Therapie schaut die Psychologin, wo das Kind steht und wo genau die Schwierigkeiten liegen. Daraus wird ein individueller Therapieplan entwickelt. Je nachdem, in welchen Bereichen das Kind gefördert werden soll, wird z. B. das Textverständnis, die auditive Wahrnehmung oder die Konzentrationsfähigkeit mit gezielten Übungen trainiert. Dies lässt sich problemlos auch in der Online-Therapie umsetzen. So kann die Therapeutin z. B. mit dem Kind Kartenspiele zur Förderung der Konzentration spielen. Mit Hilfe eines Kartenhalters dreht das Kind die Karten zur Kamera, sodass sie Therapeutin einen Blick auf die Karten hat.

Einen großen Vorteil der Online-Therapie sieht die Psychologin in der räumlichen Trennung von der Schule: „Das ist gerade für Kinder gut, die schlechte Erfahrungen mit den schulischen Anforderungen gemacht haben“, ist Melzer überzeugt. Darüber hinaus erfährt das Kind durch die Online-Therapie eine gewisse Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, da es i.d.R. die Therapie ohne Unterstützung durch die Eltern „besuchen“ kann.

Eine große Rolle in der Therapie spielt das Loben. „Es wird oft zu viel auf die Defizite geschaut statt auf die positiven Dinge“, kritisiert Melzer: Bei Proben in der Schule werden die Fehler markiert, in der Lerntherapie dreht die Therapeutin es um: „Ich streiche an, was richtig ist und korrigiere gemeinsam mit dem Kind die Fehler. Wir setzen uns in der Therapie dafür ein, dass man aus Fehlern lernt, statt sich für sie zu schämen.“

Schätzungen zufolge sind zwischen fünf und 15 Prozent aller Schulkinder von Legasthenie oder Dyskalkulie betroffen. Obwohl die Kinder unauffällige Intelligenzwerte haben, fällt ihnen das Lesen- und Schreiben- oder Rechnenlernen schwer. Oft kommt auch noch eine Konzentrationsstörung hinzu oder es liegt eine Kombination aus Lese- und Rechtschreibstörung und Rechenstörung vor.

Eltern, die Bedenken haben, ob ihr Kind an Legasthenie oder Dyskalkulie leidet, rät Melzer, zunächst das Gespräch mit der Lehrkraft oder dem Schulpsychologen zu suchen. Sobald ein Leidensdruck beim Kind hinzukommt, sollte eine ärztliche Diagnostik erfolgen, „einfach auch, um den Druck aus der Familie zu nehmen und eine Therapie in die Wege zu leiten,“ erklärt die Therapeutin. Denn Probleme in der Schule können sich ganz schnell auf den Familienalltag überragen, weiß die Psychologin. „Eltern sollten nicht zögern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich wertschätzend hinter ihr Kind stellen“, empfiehlt Melzer, denn so können sie zugleich ein Lernvorbild für die Kinder sein und signalisieren: Es ist okay, sich Hilfe zu suchen.

Weitere Informationen und eine kostenfreie Beratung gibt es beim AKL unter der Telefonnummer 089 41 11 49-200 oder im Internet unter www.akl-bayern.de.