Der Nachteilsausgleich

2016 wurde eine gesetzliche Grundlage geschaffen im Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (Art. 52 BayEUG). Die Unterscheidung zwischen Lese-Rechtschreibschwäche und Lese-Rechtschreibstörung ist in diesem Zuge entfallen.

Es wird offiziell unterschieden zwischen

  • individueller Unterstützung
  • Nachteilsausgleich
  • Notenschutz

Individuelle Unterstützung: didaktische Maßnahmen wie

  • Individuelle Erläuterungen
  • Differenzierung bei Hausaufgaben
  • Bereitstellung besonderer Arbeitsmittel

Nachteilsausgleich: Veränderung der Bedingungen bei Proben wie

  • Verlängerung der Bearbeitungszeit um 25 %, in Ausnahmefällen bis 50 %
  • didaktische Hilfen, z. B. einzelne Aufgabestellungen vorlesen, Aufgaben differenziert stellen
  • Schriftliche Leistungsnachweise durch mündliche ersetzen
  • individuelle Gewichtung schriftlicher und mündlicher Leistungen, sofern keine Gewichtung vorgegeben ist
  • praktische Leistungsnachweise entsprechend der Beeinträchtigung
  • spezielle Arbeitsmittel
  • Prüfungen in gesonderten Räumen
  • zusätzliche Pausen
  • größere Exaktheitstoleranz beim Schriftbild
  • eine Schreibkraft bei besonders schweren Fällen
  • bestimmte Formen der Unterstützung durch eine Begleitperson

Notenschutz: Veränderung der Bewertung von Leistungen

 Rechtschreibstörung:

  • Rechtschreibleistungen werden nicht bewertet, mündliche Leistungen sind stärker zu gewichten
  • Fremdsprachen: abweichend von Schulordnungen können mündliche Leistungen stärker gewichtet werden

Lesestörung:

  • In Deutsch und Fremdsprachen keine Bewertung des Vorlesens.
  • Laut Rundschreiben der Staatlichen Schulberatung München und Landkreis wird nicht auf die Bewertung des Leseverständnisses verzichtet.                                                       

Einzelheiten sind in der Bayerischen Schulordnung geregelt.
(Fassung vom 1. Juli 2016)

Wenn kein Notenschutz beantragt wird,gibt es keine Zeugnisbemerkung!

Procedere:

Die individuellen Unterstützungen sollten im Rahmen des pädagogischen und organisatorischen Ermessens von den Lehrern gewährt werden.

Voraussetzungen für Nachteilsausgleich und Notenschutz

  1. Antrag der Eltern an die Schulleitung
    Die meisten Schulen stellen ein Antragsformular zur Verfügung, auf dem die Eltern auswählen können, welche Maßnahmen sie beantragen.
  1. Schulpsychologische Stellungnahme MUSS vorgelegt werden.

 

Es kann zusätzlich eine fachärztliche Stellungnahme vorgelegt werden, alternativ eine Stellungnahme eines approbierten Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeuten oder sozialpädiatrischen Zentrums. Für den Antrag auf Therapiekostenübernahme beim Jugendamt ist unverändert ein fachärztliches Gutachten nötig. Notenschutz wird gewährt, wenn eine Leistung auch mit  Nachteilsausgleich nicht erbracht werden kann. Die Entscheidung trifft laut Schulordnung der Schulleiter. Alle Maßnahmen können auf Antrag wieder zurückgenommen werden.